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Schwarzwald-Querweg Freiburg-Bodensee

Do., 06.06. – Mi., 12.06.2019 / 172,3 km

Da ich im Juni spontan kaum Termine hatte, war ich gerade am Überlegen, mal den Querweg von Freiburg nach Konstanz zu laufen. Da kam am 1. Mai aus dem heiteren Himmel eine Nachricht von Johanne: “Kennst Du den Querweg?”. Und schwupps wurde aus der Idee ein handfester Plan.

Ich hatte eigentlich gedacht, den Weg mit Zelt zu machen, und Johanne dachte eher an Pensionen. Schnell war ein Kompromiss gefunden: Drei Nächte im Zelt, drei in Pensionen. Wir planten unsere Etappen so, dass wir jeden Tag ca. 24-28 km hatten und buchten ein paar Unterkünfte.

Der Hammer war, dass Johanne dann plötzlich ein Bild von ihrem neuen Rucksack, Schlafsack und Isomatte schickte! Der Rucksack und der Schlafsack waren viel leichter als meine! Das musste ich erstmal verdauen und natürlich habe ich auch eine Erklärung dafür: Johannes Rucksack (ÜLA CDT) ist eine noch leichtere Variante meines Rucksacks, der ein paar weniger Features hat, als meiner. Damit kann ich leben :-). Der Schlafsack ist leichter, weil er ein Sommerschlafsack ist und meiner bis -17°C auch eine Frau noch warm halten sollte. Auf jeden Fall war ich begeistert, dass sie sich auch für ultraleichtes Material entschieden hat und nicht eine der vielen Schwarzwald-Wanderinnen war, die sich mit ihrem 80-Liter Deuter-Rucksack und 10-facher Wechselgarderobe durch die Gegend gearbeitet hat!

Am Donnerstag starten Johanne und ich nach Frühstück und Vorbereitungen auf unsere erste Etappe. Von der Haustüre aus zu Fuß zu starten ist ein tolles Gefühl, auch wenn man erst einmal gar nicht begreift, dass es wirklich losgeht. Nach einem letzten Stärkungsstopp im Saftlädele machen wir uns an die ersten Höhenmeter vom Schwabentor über den Kanonenplatz zur St. Wendelinskapelle, um dann wieder ins Dreisamtal abzusteigen.

Leider regnet es nicht wie vorhergesagt nur zwischen 15-18 Uhr, sondern schon, als wir loslaufen. Zum Glück ist der Regen nicht zu heftig, und Johanne kann auch ohne ihren Poncho trocken bleiben, den ich ihr ausgeredet habe. So hatten wir aber einen Running Gag und bei jeder Möglichkeit bemerken wir mit einer gewissen Ironie, dass der Poncho jetzt doch ganz schön praktisch wäre. Viel zu schwer….

In Buchenbach stärken wir uns im Gasthof Adler mit Suppe, Salat und Karamalz und machen uns dann an den letzten großen Aufstieg des Tages, nach Breitnau hoch. Wir haben vor, in Breitnau ein lauschiges Plätzchen für unser Zelt zu finden und hoffen, dass der Regen dann auch irgendwann aufhört. Wir haben Glück, es wird weniger nass von oben, und wir finden ein weiches Plätzchen auf Moos für das Zelt. Da der Untergrund extrem nass ist, wird es im Zelt durch die Kondensation zwar schnell feucht, aber immerhin können wir ohne Regen Abendessen….. Naja…. wenn man das Essen nennen kann. Leider habe ich hier keinen 5-Minuten-Reis gefunden, sondern nur einen, der 10 Minuten braucht. Leider funktioniert so der Trick nicht, Wasser zu kochen, und dann den Reis darin quellen zu lassen. So picken wir die weichen Bohnen aus dem körnigen Reis und begnügen uns mit Brot und Nüssen.

Am nächsten Morgen laufen wir erst eine Weile und frühstücken dann am Piketfelsen mit schönem Ausblick auf Alpersbach und den Feldberg.

Frisch gestärkt laufen wir bei strahlendem Sonnenschein durch Hinterzarten und genießen eine Auffrischung in der Toilette des Kurhauses. Der einzige Haken an der Sache: Sie ist im Untergeschoss und es gibt keinen Aufzug…. aber ansonsten herrlich.

Nachdem wir uns frisch gemacht haben, geht es zum Ostufer des Titisees, wo wir am hübschen Ufer-Campingplatz Pause machen.

Immerhin müssen wir dann den letzten wirklichen Aufstieg des Querwegs hinter uns bringen und uns auf dem Hochfirst hocharbeiten.

Oben angekommen machen wir ein Mittagsschläfchen, denn sonst kommen wir viel zu früh in Kappel an, wo wir wieder in der Dämmerung unser Zelt aufbauen wollen. Danach kommt das Naturschutzgebiet der Wutachschlucht, in der wir natürlich nicht zelten dürfen.

Als wir in Kappel ankommen, sieht der Himmel leider schon wieder sehr trüb aus, und es ist für die Nacht Gewitter angesagt. Trotzdem laufen wir erst einmal weiter, füllen unsere Wasservorräte auf und sind viel zu früh an unserem über Google Maps auserkorenen Tagesziel. Es wird immer dunkler, leider nicht wegen der Dämmerung, sondern wegen der Gewitterwolken. Wir müssten noch 2-3 Stunden überbrücken, bis wir das Zelt aufschlagen können. Aber im Gegensatz zur Wildnis Amerikas haben wir hier ja die Möglichkeit, auf Zivilisation und Mobilfunknetz zurückzugreifen. Wir fassen den Entschluss, zurück ins Dorf zu laufen und dort im Hotel zu übernachten.

Während wir dann unsere müden Füße und mit Käsespätzle gefüllten Bäuche entspannen, tobt draußen das Gewitter und wir sind sehr froh, dass wir diese Entscheidung getroffen haben.

Für Samstag haben wir uns die komplette Wutachschlucht von Kappel-Grünwald bis Achdorf vorgenommen. Nach dem Frühstück machen wir uns bei wunderschönem Wetter auf den Weg und genießen die Natur um uns herum.

Am Räuberschlössle machen wir uns einen Kaffee und sorgen dafür, dass die Pfadfindergruppe das Schlössle nicht ohne die prall gefüllte 0,5 Liter Essig-Flasche verlässt, die für das Abendessen gedacht war. Na dann mal guten Appetit!

In Achdorf treffen wir Johnny und verwöhnen uns in der Scheffellinde mit einem leckeren Johanne-Geburtstags-Essen.
Die Etappe war lang dafür, dass ich momentan nicht fit bin. Nach dem langen Sitzen beim Abendessen sind meine Füße dann furchtbar angeschwollen, tun weh und ich kann kaum laufen. Wir überlegen, wie wir weiter vorgehen. Ich möchte meinen Füßen eigentlich eine Pause gönnen, aber die nächste Übernachtung ist gebucht. Da Johnny mit dem Auto da ist, entscheiden wir uns, die nächsten 10 km mit dem Auto zu überbrücken und die Etappe auf 19 km zu kürzen. Also starten wir gemütlich von Randen aus in Richtung Engen mit wunderschöner, wenn auch leicht bedeckter, Sicht auf die Hegau-Vulkane.

Am Napoleonseck machen wir eine lange Pause und kochen uns eine Suppe. Leider fängt es dann schon wieder an zu regnen und wir müssen die letzten Kilometer zur Wanderreitstation Hewenhof2, in der wir übernachten wollen, nass und ohne Poncho hinter uns bringen.
Johnny hat weder Regenjacke noch Poncho dabei. Da muss mein Müllsack herhalten, der eigentlich meinen Rucksackinhalt vor dem Nasswerden schützen soll.

Die netten Gastgeber bringen uns nach einer Kaffee-Stärkung zurück zum Auto. So können wir noch zusammen nach Engen zum Abendessen fahren. Da Johnny uns dann wieder verlässt, und wir nur noch eine von drei Nächten im Zelt verbringen würden, entscheiden wir uns, Johnny das Camping-Equipment mitzugeben und doch alle verbleibenden Nächte in Unterkünften zu verbringen. Das war auch eine gute Entscheidung, denn der Regen sollte uns auch noch weiter begleiten.

Unsere fünfte Etappe führt uns über und um die Hegau-Vulkane. Wir brechen morgens im Nebel auf und verzichten mangels Sicht auf den Aufstieg zum Hohenhewen.

Den Gipfel des Hohenstoffeln nehmen wir aber in den Angriff, da die Wolken es kurzzeitig gut mit uns meinen.

Dann gehts weiter Richtung Mägdeberg, den ich bisher immer übersehen hatte zwischen seinen großen Brüdern. Wir verlieren dort kurz den Weg und irren auf vielen Trampelpfaden zur Burgruine hoch. Als wir gerade mangels Orientierung aufgeben wollen, stellen wir fest, dass wir schon oben sind! Leider hat uns auch der Regen wieder eingeholt und nach einer kurzen Pause unter dem Schutz des Eingangstores machen wir unsere Erkundungstour durch die Burg.
Danach geht es im Regen weiter am Hohenkrähen vorbei. Ein paar Kilometer vor dem Hohentwiel kommen wir am geöffneten Hotel Hegauhaus vorbei und gönnen uns eine Pause auf der trockenen Terrasse. Dann geht es weiter durch den Regen auf halber Höhe entlang des Hohentwiels. Mehr oder wenig trocken geht es dann nach Singen hinunter und einmal durch die Stadt zu unserem Nachquartier Hostel Art&Style.
Die Füße haben gut mitgemacht und ich fühle mich wieder besser. Trotz schlechtem Wetter haben wir die Etappe gut hinter uns gebracht und sind gut gelaunt. Nach warmer Dusche und Kleiderwechsel bestellen wir Pizza, Lasagne und Salat direkt ins Hostel.

Am nächsten Morgen geht’s direkt vom Hostel weiter Richtung Langenrain. Wie vermutet ist diese Etappe nicht besonders spannend. Dafür bleiben wir heute trocken! Auch schon was wert.
Wir laufen durch Steißlingen, über die Burgruine Homburg, durch Stahringen, machen eine “gemütliche” Kaffeepause beim Netto-Discounter in Güttingen, gehen weiter nach Möggingen. Dann gibt es ein schönes Stück oberhalb des Mindelsees, doch leider verpassen wir die letzte Bank und müssen dann mangels Rastmöglichkeit und nassen Wiesen weiter ohne Pause durch den Buchenwald bis Langenrain. Dort kommen wir schon um 16 Uhr im Gästehaus Bodanrück an. Leider gibt es in Langenrain kein Restaurant, also gibt es wieder Pizza vom Lieferservice.

Die letzte Etappe bis Konstanz beginnt im strömenden Regen. Laut Wetterbericht soll es bald aufhören und dann sonnig werden, aber es dauert länger als erwartet, bis wir die Regenjacken loswerden können. Zudem ist die Marienschlucht gesperrt, was wir wussten, leider ist aber auch die geplante Alternative nicht möglich und die Umleitungsschilder sind entweder nicht vorhanden oder verwirrend. Wir irren zwei Stunden per Wegweiser und GPS durch die Gegend, bis wir wieder auf dem offiziellen Querweg ankommen.

Die Wegführung dieser Etappe ist wirklich in Frage zu stellen. Da die Marienschlucht gesperrt ist und die anderen Sperrungen nicht in den Online-Karten eingetragen sind, irrt man unnötig in der Gegend herum. Nach einem schönen Stück oberhalb von Konstanz kommt man dann an der Universität nach Konstanz rein und läuft dann entlang einer hässlichen, langen und stark befahrenen Straße Richtung Bodensee. Ich verstehe nicht, warum man den Weg nicht so führt, dass man zum Beispiel ab Litzelstetten entlang des Bodenseee-Rundwegs am Ufer entlang geht. Das würde ich auf jeden Fall empfehlen. Es ist zwar ein paar Kilometer länger, aber sicher die schönere Variante.

Nichtsdestotrotz kommen wir schon vor 15 Uhr am Bodensee an und haben inzwischen auch herrliches Wetter.

Etwas überfordert von den vielen Menschen suchen wir vergeblich nach einem End-Schild des Querwegs und müssen uns mit einem Wegweiser, der nur in die andere Richtung zeigt, zufrieden geben. Aber der Blick auf den wunderschönen See entschädigt dafür.

Insgesamt ist der Querweg ein toller Weg, der abwechslungsreich durch Südbaden führt. Der Start im Schwarzwald ist im Vergleich zu den Etappen im Hegau und am Bodensee fordernd, aber gut machbar. Wir hatten trotz Regen, untrainierter Füße und fehlendem Poncho eine richtig gute Zeit und waren trotz der Bilder weder verwirrt noch erschöpft 🙂

Bis zum nächsten Mal, happy trails,
Moni

DatumEtappeÜNkm
06.06.Freiburg-BreitnauZelten27,6
07.06.Breitnau-Kappel-GrünwaldHotel Straub Kappel26,2
08.06.Kappel-AchdorfPension Gisela28,7
09.06.Achdorf-HewenhofHewenhof18,7
10.06.Hewenhof-SingenHostel Art & Style26,5
11.06.Singen-LangenrainGästehaus Bodanrück23,9
12.06.Langenrain-Konstanz 20,7
Equipment im Rucksackgr.gr.
evtl.
Zpacks Duplex-Zelt inkl. Heringe, Packsack738 
Schlafsack Western Mountaineering Versalite970 
Kompressionssack für Schlafsack,13l28 
Isomatte aufblasbar therm-a-rest neoair xlite regular 183 x 51 cm354 
Rucksack Gossamer Gear Kumo525 
Packsack für Ersatzkleider19 
Packsack für Apotheke, Electronics14 
Packsack für Essen40 
Feuerzeug15 
Müllbeutel als Pack-Liner28 
Naden+Faden, Superglue7 
Sicherheitsnadeln5 
Taschenlampe Photon Freedom Micro mit Klammer12 
Taschenlampe Photon Freedom Micro (Ersatz)6 
Smartphone Sony Xperia Z5 Compact mit Hülle194 
Smartphone Ladegerät inkl. USB-Ladekabel kurz43 
Powerbank 4000mAh108 
Kopfhörer12 
Gaskocher MSR PocketRocket (Kocher 85g, Tyvek 6g, Bandana 25g)117 
Gaskartusche174 
Topf 900ml mit Deckel und Beutel146 
Berghaferl Relags Falttasse23 
Löffel12 
Taschenmesser mini21 
Wasserflasche 2 x 1L (je 37g)74 
Micropur forte Tabletten (1 Blister)3 
Faltflasche Platypus 2L35 
Zahnbürste10 
Zahnpasta27 
Zahnseide14 
Klopapier, Feuchttücher, Ziploc36 
Handdesinfektion37 
Kontaktlinsen (6 Tage)32 
Lippenpflege7 
Haargummi1 
Taschentücher24 
Sonnencreme mit Gewebeband (zum Reparieren)71 
Leukoplast, Leuko-Strips, Pflaster; Desinfektion, Ziploc78 
Medikamente (6 Tage)26 
Pullover Patagonia Micro Puff Jacket291 
Regenjacke Montbell246 
Regenhose Decathlon181 
T-Shirt Merino98 
Merino-Leggins140 
Unterhose31 
Merino-Socken Ersatz55 
Socken Camp34 
Buff Insect Shield UV41 
Brille30 
Brillenetui für beide Brillen50 
Flip-Flops183 
Mini-Kugelschreiber 9g8 
Personalausweis / DAV-Ausweis6 
Bank- & Kreditkarte, Führerschein15 
Geld, Beutel, Ziploc15 
Zip-Beutel  
Proviant nach Bedarf  
Frubiase (6 Stück)48 
Isomatte fest Relags Sirex 10 mm, halbe Länge (90 x 55) 80
Kamera inkl. Akku und Armband 253
SUMME5558333
Equipment getragengr.
Wanderschuhe Brooks Cascadia (getragen) mit Superfeet-Einlagen783
Merino-Lycra Unterhemd (getragen)70
Merino-Langarm-Shirt (getragen)203
Wanderhose kurz (getragen)103
BH (getragen)48
Unterhose (getragen)32
Kniebandagen (getragen)118
Merino-Socken Darn Tough (getragen)62
Dirty Girl Gaiters28
Hut (getragen)73
Bandana-Tuch (getragen)26
Sonnenbrille inkl. Band (getragen)35
Wanderstöcke (getragen)462
SUMME2043

5 Kommentare on “Schwarzwald-Querweg Freiburg-Bodensee

  1. Vielen Dank für die wunderschöne Zeit, habe jeden Tag genossen!
    Auch ohne Poncho! (Will jemand vielleicht einen ungenutzten Poncho abkaufen?)

  2. Liebe Moni,
    sehr schade, dass ihr so ein Pech mit dem Wetter hattet! Ich hätte mich ja nach 30 min Regen in den nächsten Zug gesetzt und wäre heim gefahren :-). Ich bewundere euch wirklich sehr dafür, dass ihr es dennoch durchgezogen habt.
    Hut ab und liebe Grüße
    Raluca
    P.S. am coolsten sind ja deine Giraffen-Gamaschen.
    P.P.S. hat Johnny ne neue Brille? Sieht gut aus (auch wenn sie nicht neu ist!)

  3. Hi Simone, sehr lustiger Bericht (den Rucksackpart am Anfang musste ich gerade Christian vorlesen 🙂 und schöne Erinnerung – hab nen Teil der Tour auch vor Jahren mal mit Tarp und Übernachtung bei ner netten Frau neben der Schlossmühle gemacht. Musste allerdings wegen ner Monsterblase in Blumberg aufgeben, nur die Marienschlucht haben wir trotzdem noch aufgesucht.
    Liebe Grüße und gute Erholung an deine Füße – die Boulderhose möchte bestimmt bald seiner Bestimmung zugeführt werden 🙂 Maggie

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