Allgemein, CDT 2016

Etappe 62: Never Summer Wilderness

Di., 05.07.2016 / Meilen

Die Füße sind fast wieder verheilt und tun nicht mehr weh, deshalb geht es nach vier Tagen wieder auf den Trail. Fast hätte ich „endlich wieder“ geschrieben, aber ehrlich gesagt fällt es mir ganz schön schwer, wieder zum Trail zurückzukehren. Das Hostel war unglaublich gemütlich, die Mädels, die dort arbeiten, waren nette Gesprächspartnerinnen. Man konnte selbst kochen, was man wollte und es gab WLAN. Es war schön, wieder in Kontakt mit Freunden zu sein. Zudem hat Buttercup uns gestern verlassen, und jetzt sind nur noch Allgood und ich übrig. Maverick, ein CDT-Wanderer, schließt sich uns an. Bin gespannt, welches Tempo er läuft, und wieviele Meilen er machen will. Ich habe Allgood aber klar gemacht, dass wir das Tempo vorgeben.
In Colorado fällt es mir immer schwer, die Orte zu verlassen und wieder weiter zu wandern. Warum das so ist, weiß ich nicht genau, schließlich bin ich ja hergekommen, um draußen zu sein.
Vielleicht ist es, weil ich nicht alleine laufe oder in einer Gruppe, die mein Tempo läuft. Ich fühle mich so oft unter Druck und vermisse meine Mädelsgruppe aus New Mexico.

Heute morgen bin ich um 8 Uhr alleine losgezogen. Die Jungs haben vorgestern, als ich nicht laufen konnte, den Rocky Mountain Loop gemacht, der offiziell Teil des CDT ist (rot auf der Karte). Ich habe heute morgen die sechs Meilen lange Abkürzung (blau) genommen und warte am Wanderparkplatz auf die beiden, die hierher trampen wollen.

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Um kurz vor elf Uhr kommen sie und haben jede Menge Essen dabei, das ihnen die Mitfahrgelegenheit geschenkt hat. Also vespern wir erstmal! Dann geht es ein paar Meilen den Highway entlang, bis wir wieder auf einen Trail kommen. Etwa 800 Höhenmeter warten auf uns, aber der Anstieg ist nicht zu steil. Wir laufen durch den Wald, an Bächen entlang. Viele Tageswanderer und Gruppen, die ein paar Tage wandern, sind unterwegs. Es ist amüsant, sich die Leute anzuschauen. Riesige Rucksäcke, feste Wanderstiefel, ausreichend Regenklamotten und vor allem: alles sauber und in tadellosem Zustand.
Gerade, als wir der Baumgrenze näher kommen, sehen wir einen Elchbullen und zwei Elchkühe. Sie mümmeln uninteressiert am Gras weiter.

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Der Bowen Pass auf knapp 3500 hat noch ein bißchen Schnee, ist aber gut zu überqueren.
Bald schon geht es wieder in den Wald hinein, und wir steigen wieder ab.
Immer wieder regnet es leicht, und man hört den ganzen Tag Donner. Aber wir werden nicht allzu nass. Mücken gibt es hier auch einige!

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Wir machen drei Pausen und die Jungs fragen sehr rührend immer wieder, ob es mir gut geht. Schließlich habe ich heute ja schon sechs Meilen mehr als sie unter den Füßen.
Um sieben Uhr überqueren wir einen Bach, und direkt daneben sehe ich eine Feuerstelle. Ich frage die Jungs, ob wir hier campen und sie sind einverstanden. Herrlich! So früh Camp! Und ich hab trotzdem 22,2 Meilen gemacht!
Liebe Grüße
Eure Cheezy

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2 Kommentare on “Etappe 62: Never Summer Wilderness

  1. Hi Cheezy,
    also eins muss ich mal feststellen:
    Was genau ist an: „Riesige Rucksäcke, feste Wanderstiefel, ausreichend Regenklamotten und vor allem: alles sauber und in tadellosem Zustand.“ jetzt genau auszusetzen?
    Ich hab mich ja die Ganze Zeit schon gefragt wieso du in Sambaschläppchen unterwegs bist.
    Was spricht gegen anständige Wanderschuhe? Solche, wie sie jeder normale Schweizer Bergführer tragen würde? Mit roten Schubendeln. Abends immer schön mit Lederfett einreiben.
    Was spricht da dagegen? Gibt es einen uns bisher unbekannten GEHEIMEN „Trail Codex“?

    -DU MUSTT DAS DING IN SANDALEN LAUFEN
    -DURCHQUERE MINDESTENS 500 FLÜSSE
    -VERLIERE DEINEN RUCKSACK UND…….
    -SCHLAFE DANN NASS IM FREIEN
    -ERKENNE DEINE TRAILGEFÄHRTEN AM GERUCH
    -KEINE ETAPPE UNTER 18MEILEN
    – WENN MÖGLICH STATT EINEM ANSTÄNDIGEN RUCKSACK 2 PLASTIKTÜTEN

    So in dem Stil.

    Spätestens wenn du wieder zu Hause bist werden Worte wie „Kleider in sauberen Zustand“ eine neue Dimension für dich bekommen.
    Wir werden dich ganz laaaaaaaaangsaaaaaaaam wieder resozialisieren müssen.
    Oh man, das wird ein hartes Stück Arbeit.
    LG

    1. Freue mich auf die Wiedereingliederung!
      Die üblichen Wanderschuhe und das sonstige übliche Equipment ist viel zu schwer, Wanderstiefel trocknen zu schlecht, usw. Das Motto ist ultraleicht!

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