Allgemein, CDT 2016

Etappe 48: Die letzten 19 harten Meilen zum Monarch Pass

Mo., 13.06.2016 / 19 Meilen

Nach 47 Wandertagen können 19 Meilen viel bedeuten. Es kann sein, dass man um 14 Uhr am Ziel ankommt, oder auch um 19 Uhr. Natürlich ist auch alles zwischendrin möglich!
Um 6 Uhr laufen wir los. Ziemlich bald geht es steil den Berg hinauf. Allgood läuft voraus und ist bald außer Sichtweite. Schon länger habe ich Probleme mit dem Atmen in der Höhe. Ich muss immer wieder Husten und bekomme schlecht Luft. Heute ist es besonders schlimm! Ich krieche den Berg hinauf und muss immer wieder stehen bleiben, um zu husten und Luft zu bekommen. Langsam schleppe ich mich den Berg hoch und versuche, mein Tempo zu finden. Als ich etwa nach einer Stunde auf einer Anhöhe ankomme, treffe ich Allgood wieder und bedanke mich, dass er gewartet hat. Aber er hat gar nicht gewartet, sondern war nur kurz vor mir. Ich habe ihn nur nicht gesehen. Das motiviert mich, und inzwischen geht es auch mit dem Atmen wieder besser.
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Wir laufen zusammen weiter und müssen bald wieder auf Wegsuche gehen, denn der verschwindet mal wieder unter dem Schnee. Wir umgehen den Schnee heute oft, indem wir weiter hoch auf die Berge steigen.
Obwohl es noch sehr früh ist, zieht ein Gewitter auf, und wir gehen schnell durch den Schnee in den Wald hinunter, um nicht am höchsten Punkt zu sein. Allgood baut sein Tarp (Zelt ohne Boden) für uns auf und wir warten etwa eine halbe Stunde, bis das Gewitter weiter gezogen ist.
Um etwa 11 Uhr kommen wir zum Marshall Pass, an dem Buttercup und Zippy übernachtet haben. Wir haben in fünf Stunden nur sechs Meilen geschafft….
Also weiter, meist durch Schnee, ab und zu auf dem Weg. Als wir ca. um 14 Uhr auf einen Sattel kommen, von dem wir auf einen Bergkamm auf etwa 3600 Metern aufsteigen müssen, zieht wieder ein Gewitter auf. Zum Glück steht hier eine kleine Schutzhütte, in die wir uns verkriechen, Tee und Mittagessen kochen und das Gewitter aussitzen.
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Kurz vor 15 Uhr laufen wir weiter. Das Wetter ist immer noch nicht stabil, aber wir wagen es trotzdem. Da wir vor lauter Schnee mal wieder keinen Weg finden, gehen wir einfach direkt steil den Hang hinauf. Kurz vor dem Kamm müssen wir senkrecht ein steiles Schneefeld hoch, aber wir sehen Buttercups und Zippys Fußabdrücke und können ihnen folgen.
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Zum Glück hält das Wetter auf den restlichen sechs Meilen auf dem Kamm einigermaßen, und ab und zu können wir sogar auf dem Weg laufen.
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Fünf Meilen vor Monarch Pass, unserem Tagesziel, kommen uns um 16:45 Uhr auf dem Schnee zwei Radfahrer, schiebend, entgegen. Wir unterhalten uns kurz mit ihnen, aber sie scheinen nicht genau zu wissen, was sie tun. Sie wissen zum Beispiel nicht sicher, ob sie vom Monarch Pass gekommen sind, aber sind seit 12 Uhr unterwegs und wollen eine 35-Meilen-Tour machen. Sie haben nur ganz kleine Tagesrucksäcke und ihre Radklamotten. Wenn sie wirklich fast fünf Stunden für die fünf Meilen vom Pass hierher gebraucht haben, fragen wir uns, wohin sie es heute noch durch den Schnee schaffen wollen. Und wie wir es dann bis zum Pass schaffen sollen.
Nachdem wir uns verabschiedet haben mache ich mir viele Gedanken um die beiden. Hätten wir ihnen Essen oder Wasser mitgeben sollen? Oder eine Landkarte? Und ihnen von der Schutzhütte erzählen? Zu spät! Ich hoffe, sie haben es gut überstanden!
Wir arbeiten uns weiter langsam voran, aber diese 19 Meilen scheinen kein Ende zu nehmen. Den Highway kann man schon seit einer Weile sehen, aber dann zieht wieder ein Gewitter auf, und wir verziehen uns in tiefere Gebiete.
Auf der letzten Meile zum Pass verkündet Allgood, wie sehr er sich auf ein kühles Bier heute Abend freut. Wir laufen weiter und sehen einen Zettel an einem Baum hängen. Eine CDT-Wanderin, die ab- oder unterbrechen musste, hat hinter uns auf einen Schneeflecken etwa 20 Bierdosen gelegt! Ich hab noch NIE so ein leckeres und glückliches Bier getrunken!
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So vergeht die letzte Meile trotz kaltem Gegenwind gut, wir tragen uns am Wegbeginn in das Register ein und kommen um 18:30 Uhr am Pass an. Der Souvenir-Laden dort hat gerade noch offen und gibt uns eine Nachricht, die Buttercup und Zippy für uns hinterlassen haben. Sie waren auch erst vor 2,5 Stunden hier und warten in Salida auf uns.
Jetzt heißt es für uns nach Salida trampen, und ich verspreche Allgood, dass das dritte Auto uns mitnimmt. Und siehe da, ich hatte Recht! Ein hübscher Van mit einem jungen Hippie-Pärchen nimmt uns mit und füttert uns Bananen. Dabei rauchen sie Gras und bringen uns direkt vor PODs (Princess Of Darkness) Haus.
Was ein Abschluss! Ich bin sehr entspannt und happy, hier zu sein.
Zusammen mit Buttercup, Allgood, Zippy, POD und ihrem Mann „Disco“ essen wir zu Abend, und Allgood und ich können hier zwei Tage bleiben. Ich habe sogar mein eigenes Zimmer!
Liebe Grüße aus Salida,
Eure Cheesy

4 Kommentare on “Etappe 48: Die letzten 19 harten Meilen zum Monarch Pass

  1. Liebe Moni! Du bist echt tapfer und ich bewundere Dich und Dein Durchhaltevermögen. Gestern war ich bei Papa in Wellendingen. Viele liebe Grüße von uns! Ich wünsche Dir viel Kraft und immer genügend Luft zum Atmen!
    Liebe Grüße von Petra
    P.S. Ich denke oft an Dich:-)!

  2. Hi Cheesy,
    ich hab mal kurz gerechnet. 20 Dosen Bier sind 6,6 kg. Wer nimmt auf so eine Tour 6,6 kg Zusatzgewicht mit?
    Gut wenn man sich das so vorstellt……jeden Abend ein, zwei, drei Bierchen….nach der ganzen Plackerei…….
    im Zelt rumlümmeln und dann so schön gemütlich……..
    Also 20 Dosen sind eindeutig zuwenig. Die Frage ist also vielmehr:
    Was kann zuhause bleiben?
    Schlafsack?
    Socken?
    Ersatzunterwäsche?
    Mich würden da ja mal deine Prioritäten interessieren.
    Und zwar zum einen, was hättest du beim Start der Tour ( also Planungsphase) für 20 Dosen Bier Zuhause gelassen?
    Und was würdest du jetzt Zuhause lassen, nachdem du um Erfahrung und Blasen reicher bist.

    LG

    1. Die Bierdosen waren nicht weit vom Pass entfernt, also harmlos.
      Ich würde auf die Ersatzunterwäsche verzichten, aber da ich ja eh kein wirklicher Biertrinker bin, kommt mir das Zeug nicht in den Rucksack!

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